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Debridement – viele Möglichkeiten für jeden Wundtyp (Teil 1)

Debridement

Als medizinische Maßnahme bei der Versorgung von schlecht heilenden, akuten und chronischen Wunden kommt dem Debridement eine zentrale Bedeutung zu. Denn die Wundbettvorbereitung ist eine Grundvoraussetzung für die Einleitung von Prozessen der Gewebereparatur.

Laut der European Wound Management Association (EWMA)sind die Aufgaben des Debridements die Beseitigung nekrotischen Materials, festen und viskösen Schorfs, seröser Krusten, abgestorbenen und infizierten Gewebes, Hyperkeratose, Abschilferungen, Eiter, Hämatom, Fremdkörpern, Detritus, Knochensplittern und sonstigen Wundbelägen jeglicher Art mit dem Ziel, die Wundheilung zu fördern.

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Derzeit werden verschiedene Methoden des Debridements in der Wundversorgung eingesetzt und sollen hier kurz vorgestellt werden:

•          Mechanisches Debridement

•          Autolytisches Debridement

•          Enzymatisches Debridement

•          Biologisches Debridement

•          Chirurgisches Debridement

•          Technische Lösungen

 

Mechanisches Debridement

Dieser Typ des Debridements wird mit Hilfe von trockenen und feuchten Gazekompressen, Wet-to-Dry Gazeverbänden, imprägnierten Gaze-Wundauflagen oder einem Monofilamentfaser-Pad durchgeführt. Das etwas seltener angewandte Wet-to-Dry Debridement beschreibt eine Technik, bei der eine befeuchtete Gazekompresse auf die Wunde platziert wird. Das avitale Gewebe trocknet aus und verhärtet, sodass es mit der Gaze verklebt.

Beim nachfolgenden Abnehmen der Kompresse wird das anhaftende Gewebe dann ebenfalls mitentfernt. Dies kann Schmerzen verursachen und mit einer Entfernung von gesundem Gewebe einhergehen. Neben den damit verbundenen Schmerzen, ist der häufige Verbandwechsel und der Zeitaufwand ein Nachteil dieser Methode.

Eine effektive und schmerzarme Methode des mechanischen Debridements stellt das Monofilamentfaser-Pad dar. Dieses besteht aus Millionen gewinkelter Polyesterfasern. Die abgeschrägten Faserspitzen lösen Debris effektiv aus der Wunde und schonen dadurch intaktes Gewebe der Wundumgebungshaut. Das vor der Behandlung angefeuchtete Pad nimmt Biofilm, Verunreinigungen, Nekrosen, Fibrin, Hyperkeratosen und andere Wundbeläge sowie abgestorbene Zellen aus dem Wundgrund in das Material auf und hält sie darin fest. Bei dickem, hartnäckigen Schorf oder hartem nekrotischen Gewebe sollte darauf geachtet werden, dass zusätzlich das Gewebe autolytisch vorbehandelt wird. So sorgt das Pad für ein sauberes Wundbett, welches eine wichtige Voraussetzung für die weitere Wundversorgung ist. Es ist bei vielen verschiedenen Wundtypen (Diabetische Ulzera, arterielle und venöse Ulzera, Dekubitalulzerationen, postoperativ sekundärheilende Wunden, traumatische oder chirurgische Wunden, z. B. Schürfwunden, Inzisionen, Lazerationen sowie bei Verbrennungen und Verbrühungen dritten Grades, nach chirurgischem Debridement, und Lymphödemen) einsetzbar. Das Debridement mit dem Monofilamentfaser-Pad bietet viele Vorteile wie das schnelle Erreichen von sichtbaren Ergebnissen bei gleichzeitig einfacher und sicherer Anwendung. Die weichen Fasern ermöglichen zudem eine schmerzarme Anwendung und bewirken dadurch eine erhöhte Patientenakzeptanz. Auch der geringe Zeitaufwand ist ein Plus des Monofilamentfaser-Pads.

 

Autolytisches Debridement

Das autolytische Debridement ist ein natürlicher Prozess, der durch eine feuchte Wundbehandlungsstrategie begünstigt und angeregt werden kann. Dazu gibt es eine Reihe verschiedener Produkte wie zum Beispiel Hydrogele, die aus mit Wasser gesättigten Copolymeren bestehen oder Hydrokolloide, die durch Aufnahme von Wundexsudat Gele bilden. Autolytische Produkte dienen dem Exsudatmanagement, sie geben Feuchtigkeit an trockene Wunden ab und nehmen Flüssigkeit aus nässenden Wunden auf. Die dadurch geförderte Freisetzung von körpereigenen, proteolytischen Enzymen führt zur Auflösung des nekrotischen Gewebes, wohingegen gesundes Gewebe nicht beschädigt wird. Das autolytische Debridement ist für akute und chronische Wunden geeignet, benötigt nur selten Verbandwechsel und bereitet kaum Schmerzen. Nach jedem Verbandswechsel muss eine Wundreinigung bzw. ein mechanisches Debridement erfolgen. Bei Wunden mit mangelnder Durchblutung ist das autolytische Debridement jedoch weniger bis gar nicht geeignet, da diese Methode sehr lange dauert.

Mehr zu den weiteren Möglichkeiten des Debridements wie dem enzymatischen, biologischen und chirurgischen Methoden sowie den technischen Lösungen in diesem Bereich erfahren Sie in unserem nächsten Artikel.

 

Referenzen

Strohal, R., Apelqvist, J., Dissemond, J. et al. EWMA Document: Debridement. J Wound Care. 2013; 22 (Suppl. 1): S1-S52.