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Wundheilung: Infektionen erfordern gezielte Interventionen

Wundversorgung

Infektionen sind eine gefürchtete Komplikation bei Wunden und führen häufig zu Verzögerungen der Wundheilung. Deswegen erfordern sie eine unmittelbare und gezielte therapeutische Intervention.1,2 

Eine Besiedlung mit Keimen ist bei sekundär heilenden Wunden nicht selten, man bezeichnet sie dann als kontaminiert oder kolonisiert. Kritisch wird es, wenn die Keime eine gewisse Menge überschreiten oder eine generelle Schwächung der natürlichen Abwehrmechanismen vorliegt (beispielsweise durch eine ungenügende Durchblutung oder Diabetes). Dadurch kann es zu einer starken Vermehrung der Keime kommen, das Gewebe wird geschädigt und eine Immunreaktion ausgelöst. Eine Unterscheidung zwischen einer kolonisierten Wunde und einer vorliegenden Wundinfektion kann unter Umständen schwierig sein.3

Die Zeichen deuten 

Die primären Zeichen einer Wundinfektion sind Rötung, Überwärmung, Schwellung, Schmerzen und eine eingeschränkte Funktion. Sie können allerdings auch bei einer Entzündung ohne Beteiligung von Keimen vorliegen oder bei einer abgeschwächten Abwehr gänzlich fehlen.3

Mit Hilfe der sekundären Zeichen lässt sich eine Wundinfektion eindeutiger diagnostizieren. Dazu gehören:3

  • Austritt von trübem, zäh-eitrigem Wundexsudat, möglicherweise auch blutig
  • Hohe Exsudatmengen
  • Verfärbungen
  • Ödeme
  • Abszesse
  • Nekrosenbildung
  • Verzögerung der Wundheilung

Die Wunde richtig einschätzen 

Der erste und wichtigste Schritt ist, die Wunde anhand der oben genannten Zeichen richtig einzuschätzen. Liegt eine Wundinfektion vor? Bei der Beantwortung dieser Frage können ein Wundabstrich zur Identifikation der Krankheitserreger und der sogenannte WAR-Score hilfreich sein. Der WAR-Score ist eine Checkliste für infektgefährdete Wunden und soll eine klinisch orientierte, begründete Risikoabschätzung anhand der Patientenverhältnisse ermöglichen. Wurde die Wunde richtig eingeschätzt, kann eine adäquate Behandlung erfolgen (siehe Abb. 1).
 

Abb. 1: Besiedlungsstadien und Therapiemöglichkeiten (mod. nach 4).

Und vorbeugen? 

Um einer Wundinfektion vorzubeugen, sollten zur Wundsituation passende Wundauflagen verwendet und diese auch regelmäßig gewechselt werden. Doch gerade der Verbandwechsel birgt das Risiko einer Infektion: Eine freiliegende Wunde ist durch Faktoren wie Berührungen oder Tröpfchenübertragungen besonders gefährdet.5 Die sachgemäße Handhabung von Verbandmaterialien ist also unabdingbar. Eine falsche Lagerung oder die Berührung mit bloßen Händen sollte vermieden werden, andernfalls können Erreger in die Wunde gelangen.6

Folgende weitere Maßnahmen sind bei einem hygienischen Verbandwechsel zu beachten: 

  • Händedesinfektion 
  • Tragen von Schutzkleidung wie Mundschutz und Schutzhandschuhen7,8
  • Debridement als Wundbettvorbereitung (z.B. mit Debrisoft®)
  • Auswahl der passenden Wundauflage (antimikrobielle Auflagen wie Suprasorb® P + PHMB)

Der Spezialfall MRSA

Eine Infektion mit MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) stellt ein erhebliches Risiko dar, besonders im Umfeld medizinischer Einrichtungen. 

Für die Verhinderung der Verbreitung der Erreger ist das Einhalten von Hygienevorschriften essenziell. Weitere Regelungen, wie die Schulung von Personal und Patienten sowie eine allgemeine Aufklärung verbunden mit einer einheitlichen Umsetzung, können ebenfalls sinnvoll sein. 

Bei Wunden, die mit MRSA kolonisiert sind, sollte ein tägliches Debridement durchgeführt werden. Zur weiteren Wundversorgung bieten sich antimikrobielle Wundauflagen an, die speziell auch gegen multiresistent Keime wie MRSA wirken (wie Suprasorb® P + PHMB). 

Referenzen: 

  1. EWMA Positionsdokument: Aufstellung von Kriterien für Wundinfektionen, 2005. Online erhältlich unter: https://ewma.org/fileadmin/user_upload/EWMA.org/Position_documents_2002-2008/German_pos_doc_final.pdf (zuletzt zugegriffen am 16.10.2020). 
  2. Diabetisches Fußsyndrom, Infekt-Liga e.V., 2010. Online erhältlich unter: http://www.infektliga.de/empfehlungen/haut-weichgewebeinfektionen/diabetisches-fusssyndrom/ (zuletzt zugegriffen am 16.10.2020).
  3. Leitlinien Wundmanagement, Universitätsspital Basel, November 2011. Online erhältlich unter: https://www.unispital-basel.ch/fileadmin/unispitalbaselch/Ressorts/Entw_Gesundheitsberufe/Abteilungen/Leitlinie_Wundmanagement/LLgesamtdokument.pdf (zuletzt zugegriffen am 16.10.2020).
  4. Moderne Wundversorgung; Kerstin Protz, Urban&Fischer. S.71 Tab. 3.1.
  5. Prävention postoperativer Wundinfektionen, Empfehlung der KRINKO, Robert Koch-Institut, April 2018. Online erhältlich unter: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Krankenhaushygiene/Kommission/Ergaenzende_Informationen/Muster-KRINKO-SSI-Rili_2018.pdf?__blob=publicationFile (zuletzt zugegriffen am 16.10.2020).
  6. Hassanain IA-T et al. Ann Saudi Med. 2010; 30(5): 358–363.
  7. AWMF, S1-Leitlinie: Chronische und sekundär heilende Wunden – Hygieneanforderungen, 2014.
  8. Institut für Krankenhaushygiene und Mikrobiologie, Fachrichtlinie Nr. 17: Gute Hygienepraxis beim Verbandswechsel, 2017.