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Die Zeit heilt alle Wunden!?

Behandlungsempfehlung

Jede Wunde ist anders. Die Wundzentrale hat sich mit der stagnierenden, exsudierenden Wunde befasst und einige wertvolle Informationen zum Heilungsverlauf und der passenden Behandlung für Sie zusammengestellt. 

Die klassische Wundheilung verläuft in mehreren Phasen. Während der ersten Phase, der Exsudationsphase, besteht eine physiologische Entzündungsreaktion. Dabei wird die Wunde mithilfe von vermehrtem Exsudat gereinigt, indem neutrophile Granulozyten und Makrophagen Keime abwehren und abgestorbenes Gewebe entfernen.1,2

Nach der Exsudationsphase folgt die Proliferations- oder Granulationsphase: Aus neugebildeten Gefäßen und Fibroblasten bildet sich das Granulationsgewebe. Durch den Gewebeaufbau beginnt die Schließung der Wunde, welche dann in der Epithelisierungsphase durch das neu gebildete Epithel vollendet wird.2,3

Keine Schließung, keine Abheilung

Bei Wunden, die in der Exsudationsphase verbleiben, passiert dies jedoch nicht. Durch lokale und systemische Störfaktoren, wie Durchblutungsstörungen oder einer reduzierten arteriellen Versorgung, kommt es zu einer starken Verzögerung der Wundheilung. In der Wunde entsteht ein Milieu, in dem sich kein Granulationsgewebe bilden und es nicht zu einer Epithelisierung kommen kann – die Wunde schließt sich nicht und die Heilung stagniert.3

Chronische Wunden

Ist eine Wunde nach 8 Wochen nicht abgeheilt, spricht man von einer chronischen Wunde.1,4 Oft entstehen chronische Wunden im Rahmen einer Grunderkrankung, zum Beispiel einem Diabetes mellitus.1 Nicht alle chronischen Wunden stagnieren in der Exsudationsphase, manche verbleiben auch in der Granulationsphase. Allerdings sind Wunden in der Exsudationsphase durch den fehlenden Verschluss und das vermehrte Exsudat einer hohen Infektionsgefahr ausgesetzt.1 Hier ist ein gutes Exsudatmanagement besonders wichtig, um negative Folgen wie Mazerationen zu vermeiden.

Was ist Wundexsudat?

Als Exsudat wird der vermehrte Austritt von Flüssigkeit aus den Blut- und Lymphgefäßen bezeichnet.3 Es besteht aus Wasser und Beimengungen von Blut, Proteinen, Zellresten, Mikroorganismen, Leukozyten und Makrophagen.3 Im Exsudat chronischer Wunden finden sich deutlich mehr proinflammatorische Zytokine und Proteasen (Matrix-Metallo-Proteinasen) als im Exsudat akuter Wunden.3 Ein strenger Geruch des Exsudats kann bei einer Infektion der Wunde durch enthaltene Anaerobier entstehen, da das Wundexsudat einen idealen Nährboden darstellt.5 Doch mithilfe geeigneter Wundauflagen kann das Exsudat aufgenommen, gebunden und entfernt werden.

Die Wahl der geeigneten Wundauflage

Wundauflagen haben vor allem die Aufgabe, das Exsudat aufzunehmen und zu binden1 – deshalb ist die Wahl der Wundauflage unter anderem abhängig von der Exsudatmenge. Daneben können auch Faktoren wie der Infektionsstatus der Wunde eine Rolle spielen. Außerdem sollte die Wundauflage folgende Eigenschaften mitbringen:1

  • Vermeidung von Mazerationen
  • Schutz vor Auskühlung durch Verdunstungskälte
  • Schutz vor (erneuter) Kontamination

Je nach Exsudatmenge kommen Wundauflagen aus PU-Schaum, Alginaten oder Hydrofasern zur Anwendung.Bei stark exsudierenden Wunden können auch Superabsorber zum Einsatz kommen.

Welche L&R-Produkte eignen sich für exsudierende Wunden?6 

Hier finden Sie außerdem weitergehende Informationen zum erfolgreichen Wundmanagement sowie detailliertere Produktbeschreibungen für die Versorgung akuter und chronischer Wunden.

Zu beachten ist, dass bei jedem Verbandwechsel vor Applikation einer Wundauflage die Wunde zu reinigen ist, beispielsweise mittels eines mechanischen Debridements.

  

Referenzen

1: Jäger C et al. Herausforderung komplexe Wunde – eine Übersicht über Wundauflagen. Z Allg Med 2012; 88 (7/8). Verfügbar unter: https://www.online-zfa.de/fileadmin/user_upload/Heftarchiv/ZFA/article/2012/07/255552A7-6E33-447E-89BC-380E60133C31/255552A76E33447E89BC380E60133C31_jaeger_komplexe_wunde_1_original.pdf (zugegriffen am 12.03.2020).

2: Settelen C et al. Leitlinie Wundmanagement, Universitätsspital Basel,  November 2011. Verfügbar unter: https://www.unispital-basel.ch/fileadmin/unispitalbaselch/Ressorts/Entw_Gesundheitsberufe/Abteilungen/Leitlinie_Wundmanagement/LLgesamtdokument.pdf (zugegriffen am 12.03.2020).

3: Traber J: Ohne Exsudat keine Heilung, Der Allgemeinarzt, 2010, 32(4): 36-40.  Verfügbar unter: https://www.allgemeinarzt-online.de/a/ohne-exsudat-keine-heilung-1564038 (zugegriffen am 12.03.2020).

4: S3-Leitlinie 091-001 „Lokaltherapie chronischer Wunden bei den Risiken CVI, PAVK und Diabetes mellitus“, AWMF, Juni 2012. Verfügbar unter: https://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/fileadmin/Redakteur/Leitlinien/Evidenzbasierte_Leitlinien/091-001l_S3_Lokaltherapie_chronischer_Wunden_2012-06.pdf (zugegriffen am 12.03.2020).

5: NIebel w und Geisheimer M: Wundfibel – Empfehlungen zur lokalen Wundtherapie für das Universitätsklinikum Essen, 2005. Verfügbar unter:  http://www.uk-essen.de/fileadmin/Hautklinik/PDF/WundfibelPDF0805.pdf (zugegriffen am 12.03.2020).

6: Produktseite Lohmann und Rauscher. Verfügbar unter: https://www.lohmann-rauscher.com/de-de/produkte/niedergelassener-bereich/wundversorgung/ (zugegriffen am 12.03.2020).