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Angst vor der Amputation – das Diabetische Fußsyndrom

DFS

In Deutschland sind jährlich 50.000 Krankenhausaufenthalte durch Amputationen zu verzeichnen. [1] Allein 70% davon lassen sich auf Diabetes mellitus zurückführen. [1] Ursächlich dafür ist das Diabetische Fußsyndrom (DFS). Es zeigt sich laut Dr. med. Lutz Stemler, Facharzt für Innere Medizin und Diabetologie DDG, in verschiedenen Ausprägungen. Doch was steckt hinter dem Syndrom?

Unter dem Begriff DFS werden pathologische Veränderungen am Fuß des Patienten verstanden, die in Verbindung mit Diabetes mellitus oder Polyneuropathie stehen. Diese Veränderungen können Fußdeformitäten, Ulzera und Nekrosen zur Folge haben, die Schmerzen und Einschränkungen mit sich bringen. [1]

 

Ursachen und Risikofaktoren

Nicht jeder Patient weist das gleiche Risiko auf, ein DFS zu entwickeln. Vorerkrankungen oder die Lebensweise des Patienten beeinflussen die pathologischen Auswirkungen auf den Körper. Besondere Risikofaktoren neben der Vorerkrankungen sind: Polyneuropathie, periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) und Mischformen aus beiden. [1,2]

 

Polyneuropathie

Bei Polyneuropathie treten Nervenschädigungen der sensiblen, motorischen und autonomen Nerven auf. Durch die Schädigung der sensiblen Nerven, kann der Patient Wahrnehmungen im Fuß nicht mehr richtig zuordnen. Es kommt zu falschen Empfindungen, wie ein Kribbeln des Fußes. Außerdem kann der auf dem Fuß lastende Druck nicht mehr eingeschätzt werden. Eine dauerhaft falsche Druckbelastung birgt ein hohes Verletzungsrisiko und begünstig die Entstehung von Fehlstellungen. Treten kleine Wunden auf, werden die daraus resultierenden Schmerzen teils nicht wahrgenommen oder die Wunde gar nicht erst bemerkt, weshalb sie sich ohne Behandlung oft ausweiten kann. Auch durch Schäden an motorischen Nerven werden Fußfehlstellungen und Druck auf den Fuß begünstigt. Es entstehen Blasen und Schwielen an druckbelasteten Stellen, die sich zu Wunden entwickeln können. Autonome Neuropathien äußern sich an den Füßen auch durch vermehrt trockene Haut, die durch die Einschränkung der Nerven an den Schweißdrüsen hervorgerufen wird. [3]

 

PAVK

Durchblutungsstörungen im Fuß, die bei einer pAVK auftreten, stören die Wundheilung. Eine solche Ischämie kann große Schmerzen mit sich bringen. In Verbindung mit Polyneuropathie kann dies besonders schwerwiegende Folgen haben. Schmerzen, die auf eine pAVK hinweisen könnten, werden dann vom Patienten nicht mehr wahrgenommen. Die Erkrankungen bleiben so oft lange bestehen, ohne behandelt zu werden. Kommen zusätzlich Risikofaktoren, wie falsches Schuhwerk, fortgeschrittenes Alter des Patienten, mangelnde Fußpflege oder psychische Beschwerden hinzu, fördert dies die Entstehung des DFS  erheblich. [1]

 

Richtig vorbeugen

Zur Verhinderung der Entstehung des DFS wurden fünf Eckpfeiler definiert: [4]

  • Regelmäßige Untersuchung der Füße und des Schuhwerks
  • Identifikation von Hochrisikopatienten
  • Schulung von Patienten, Familie und im Gesundheitswesen Angestellten
  • Geeignetes Schuhwerk
  • Behandlung sonstiger krankhafter Veränderungen des Fußes

 

Multidisziplinär behandeln – Amputationen vorbeugen

Die Behandlung des DFS hat einen großen Einfluss auf den weiteren Verlauf der Krankheit. In vielen Fällen verschlechtert sich das Befinden der Patienten ohne Behandlung immer weiter. Um alle Aspekte des Syndroms einzubeziehen, ist die Zusammenstellung eines multidisziplinären Teams sinnvoll. An der Therapie sind meist folgende Instanzen beteiligt: [1]

  • Hausarzt
  • Diabetologe
  • Gefäßmediziner
  • Chirurg
  • Orthopäde
  • Diabetesberater
  • Schuhmacher
  • Podologe

Alle diese Spezialisten tragen ihren Teil zur Heilung der Erkrankung oder zur Prävention neuer Wunden bei. Eine podologische Behandlung und das richtige, professionell angepasste Schuhwerk können Druckfehlverteilungen am Fuß vorbeugen. Regelmäßige Gesundheitschecks durch Hausarzt oder Gefäßmediziner können Begleiterkrankungen und krankhafte Veränderungen verhindern und behandelbar machen. Durch multidisziplinäre Therapie können so rund 50% der Amputationen verhindert werden. [1]

Wichtig zur Behandlung des DFS ist die Einstellung des Blutzuckers, eine eventuelle Anpassung der Ernährung und die Therapie vorhandener Gefäßerkrankungen, wie pAVK. Doch auch die Behandlung der Wunde an sich ist von großer Bedeutung. Dabei müssen beispielsweise bestehende Infektionen entfernt werden, um die Wundheilung zu verbessern. Hierzu können auf die Wunde abgestimmte antimikrobielle Verbände mit Silberionen oder dem Antiseptikum PHMB hilfreich sein. Auch Druckentlastung trägt zum besseren Abheilen bei. Diese kann durch Orthesen, wie Verbandschuhe geboten werden, die über dem Wundverband getragen werden und Mobilität und Entlastung beim Gehen ermöglichen. Zusätzlich gibt es Steifverbände, sogenannte Total Contact Casts oder spezielle Orthesen, die den gesamten Fuß und Unterschenkel einschließen. Sie sorgen für gezielte Druckverteilung. Hier muss jedoch individuell je nach Patient und dessen persönliche Ressourcen entschieden werden, welche Hilfsmittel eingesetzt werden, so Dr. Stemler. [1,2]

Das DFS führt unter anderem durch Wunden und Mobilitätseinschränkung zu einer starken Einschränkung des Wohlbefindens bei Diabetes-Patienten. Hinzu kommt, dass in schwerwiegenden Fällen das Risiko einer Amputation besteht. Dies macht die Prävention und die patientenspezifische Behandlung der Erkrankung unerlässlich.

 

Referenzen

[1] Morbach S et al. Diabetisches Fußsyndrom. Diabetologie 2017; 12(2):S181-S189.

[2] Morbach S et al. Evidenzbasierte Leitlinie der Deutschen Diabetes-Gesellschaft. Diagnostik, Therapie, Verlaufskontrolle und Prävention des diabetischen Fußsyndroms. Stand 2008.

[3] Nationale Versorgungsleitlinie. Neuropathie bei Diabetes im Erwachsenenalter. Stand 2011.

[4] Internationale Arbeitsgruppe über den diabetischen Fuß – Interdisziplinäre Diagnostik und Therapie. 2005.

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