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Alles unter Kontrolle – Wundinfektionen erkennen

Service

Wir stellen Ihnen praktische Hilfestellungen zum Erkennen von Wundinfektionen zur Seite – der Schwerpunkt liegt dabei auf der klinischen Identifikation einer Wundinfektion beim Diabetischen Fußsyndrom (DFS). 

Wundinfektionen stellen eine häufige und anspruchsvolle Herausforderung im Praxisalltag dar. Denn trotz verbesserter Kenntnisse in der Chirurgie und Therapie chronischer Wunden zählen Wundinfektionen zu den häufigsten nosokomialen Infektionen in Deutschland.1 Infizierte akute oder chronische Wunden verzögern die Wundheilung und sind mit schweren Folgen für die Lebensqualität des Patienten verbunden. Sie erfordern eine unmittelbare und gezielte therapeutische Intervention.1,2 Allerdings ist das Feststellen und Behandeln einer Wundinfektion herausfordernd: Ihre Entstehung ist ein komplexer Prozess, der von der Pathogenität des Mikroorganismus sowie von der Immunkompetenz des Patienten abhängt und sich individuell manifestiert.

Diabetische Patienten mit Fußulzera sind durch die geschwächte Immunsituation, oft verbunden mit einer Mikroangiopathie, besonders anfällig für folgenschwere Wundinfektionen.3,4 Kommt es zu einer Infektion in Zusammenhang mit einer Ischämie ist das Risiko für Amputationen sogar um fast 90 Prozent erhöht.5 

Eine Wundinfektion zu erkennen und adäquat zu behandeln, um die Lebensqualität des Patienten zu erhöhen, erfordert ein ganzheitliches Vorgehen unter Berücksichtigung individueller sowie wundspezifischer Kriterien und die Wahl geeigneter Versorgungsmaterialien und Behandlungsschemata.1

Info: Wundinfektionen beim Diabetischen Fußsyndrom (DFS)

Charakteristisch zeigt der Diabetische Fuß eine trockene, schuppige Haut, die zu Rhagaden, Fissuren und mykotischen Infektionen neigt. Hinzu kommen Verletzungen, die durch Manipulationen an Zehennägeln, Fußsohlen und Hornhäuten zugefügt wurden.2 Durch diese Schwachstellen in der epidermalen Barriere können pathogene Keime leicht in subkutane Schichten gelangen und Infektionen verursachen.2,3 Liegt zudem ein pAVK-bedingter Durchblutungsmangel vor, ist die Immunabwehr im Wundareal geschwächt. Ohne adäquate Behandlung breiten sich infizierte Ulzera schnell auf tiefere Gewebsschichten aus und können folgenreiche Komplikationen (Myositis, Osteomyelitis, Gangrän) hervorrufen.3,4 Unter anderem aus den genannten Gründen sind infizierte DFS-Läsionen besonders häufig mit Amputationen verbunden.Hinzu kommt eine durch die Infektion bedingte Verschlechterung der Diabeteseinstellung, was sich wiederum negativ auf die Pathogenese der diabetischen Wundsituation auswirkt.3

Wundinfektionen erkennen

Voraussetzung für die adäquate Behandlung einer Wundinfektion ist ihre frühzeitige Identifikation und Klassifikation.1 Nicht jede kontaminierte Wunde entwickelt eine Infektion. Eine praktische Hilfe zur Einschätzung von infektgefährdeten Wunden ist der W.A.R.-Score (Wounds-at-risk - Score). Liegt ein W.A.R.-Score von mindestens 3 Punkten vor, handelt es sich um eine Risikowunde, die mit einer antimikrobiellen Wundauflage versorgt werden sollte.6 Darüber hinaus gibt es Kriterien zur Identifikation von Wundinfektionen, die neben den bekannten allgemeinen Infektionszeichen (Schmerz, Ro?tung, U?berwa?rmung, Schwellung, Exsudat, Geruch, Fieber1) bei der Beurteilung einer Wundinfektion zu beachten sind, wie etwa Verfärbungen oder bröckeliges Granulationsgewebe (Ansatz nach Delphi).1,7 

Spezialfall DFS
 
Infizierte DFS-Läsionen können sich vielschichtig manifestieren, z.B. als: 

  1. Begleitreaktion im Randbereich einer Läsion3
  2. Abszess2,3
  3. Paronychie2
  4. Myositis, Tendinitis, Osteomyelitis, Gewebsentzündung
  5. nekrotisierende Fasziitis2
  6. destruierend-nekrotisierende Phlegmone3
  7. septische Arthritis2
  8. systemisch lebensbedrohliche Sepsis3

Die häufigste Diagnose ist das infizierte diabetische „Malum perforans“.2 

Für die Praxis: Antimikrobielle Produkte speziell für die Behandlung der infizierten Wunde

  • Suprasorb® A + Ag: Antimikrobieller Calciumalginat-Verband
  • Suprasorb® P + PHMB: Antimikrobieller PU Schaumverband 
  • Suprasorb® X + PHMB: Antimikrobieller HydroBalance-Wundverband 
  • Vliwaktiv® Ag: Aktivkohle-Saugkompresse

Lesen Sie hier mehr zu den drei Schritten der adäquaten Behandlung infizierter Wunden: Debridement, Wundversorgung und Kompression.

Referenzen

1: EWM Positionsdokument: Aufstellung von Kriterien für Wundinfektionen https://ewma.org/fileadmin/user_upload/EWMA.org/Position_documents_2002-2008/German_pos_doc_final.pdf

2: Diabetisches Fußsyndrom, Infekt-Liga e.V., http://www.infektliga.de/empfehlungen/haut-weichgewebeinfektionen/diabetisches-fusssyndrom/

3: Brandl R und Stiegler H: Das diabetische Fußsyndrom, Dtsch med Wochenschr 2015; 140(08): 593-602. https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/html/10.1055/s-0041-101257#JR257-15

4: R. J. Snyder, J. R. Hanft: Diabetic Foot Ulcers – Effects on QOL, Costs, and Mortality and the Role of Standard Wound Care and Advanced-Care Therapies. In: Ostomy Wound Management. 2009;55(11).

5: Armstrong DG, Lavery LA, Karkless B. Validation of a diabetic wound classification system.The contribution of depth, infection, and ischemia to risk of amputation. Diabetes Care 1998; 21: 855-859

6: Kramer A. et al. Aktualisierung des Expertenkonsensus Wundantiseptik 2018. WUNDmanagement 2018; 12.

7: Cutting KF, Harding KG. Criteria for identifying wound infection. J Wound Care 1994; 3(4): 198-201.